Bei dieser chronischen Erkrankung kann eine Liposuktion sehr gut helfen

Bei dieser chronischen Erkrankung kann eine Liposuktion sehr gut helfen

21. Juli 2021

Das Lipödem ist unangenehm und rätselhaft zugleich

„Säulenbeine“, „Reiterhosen“ und Schlimmeres: Für das Lipödem gibt es ziemlich uncharmante Bezeichnungen. Seit sich immer mehr Promi-Frauen als Betroffene outen, ist die Erscheinung ins Rampenlicht gerückt. Medikamente gegen die chronische Fettverteilungsstörung gibt es bisher nicht. Nachhaltige Behandlungen sind daher sehr gefragt – zum Beispiel die Liposuktion, mit der plastische Chirurgen und operativ tätige Dermatologen viel Erfahrung haben. S-thetic schaut auf Geschichte und Gegenwart der Lipödem-Therapie.

Promis berichten von ihrem Leiden

Tatort-Darstellerin Mimi Fiedler, Schauspielerin Madlen Kaniuth, Reality-TV-Sternchen Jenny Frankhauser oder Bachelor-in Paradise-Siegerin Saskia Atzerodt: All diese prominenten Frauen haben sich in den letzten Jahren dazu bekannt, an einem Lipödem zu leiden.

Die tückische Erkrankung trifft fast ausschließlich das weibliche Geschlecht. Sie beginnt meist mit auffälligen Fettanlagerungen an den Oberschenkeln. Mit der Zeit kann der sehr spezielle Fettansatz sich auf andere Körperzonen ausbreiten. Ständige Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Hämatombildung bei kleinsten Kollisionen und Hautprobleme sind typische Symptome. Schätzungsweise leidet die Hälfte der Patientinnen zusätzlich an Adipositas, also sehr ausgeprägtem Übergewicht. Dann ist das Lipödem schwerer zu erkennen. Je mehr Pfunde, desto schlimmer tendenziell das Leiden.

Lipödem-Behandlung in der Mayo-Klinik | S-thetic

Die Entdeckung ließ lange auf sich warten

Ob das Lipödem eine Erscheinung der Neuzeit ist, bleibt umstritten. Darstellungen von Frauen mit stark verdickten Beinen und Hüften gab es bereits in Jungsteinzeit und Antike. Dahinter könnten aber auch andere Krankheiten gesteckt haben.

Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde das Lipödem 1940 von dem US-amerikanischen Herzspezialisten Edgar Van Nuys Allen und seinem Kollegen Edgar Alphonso Hines Jr. Die beiden Ärzte waren in der legendären Mayo-Klinik tätig, einem gemeinnützigen Verbund von Krankenhäusern mit Fokus auf schwer zu behandelnden Krankheiten. Die Ursache war unbekannt, Behandlungsmöglichkeiten ebenso.

Aufgeblähte Fettzellen und Weichteilschmerz

Der Krankheitsverlauf ist beim Lipödem sehr individuell. Es gibt junge Frauen mit schlankem Oberkörper und voluminösen Beinen, die noch weitgehend schmerzfrei sind. Andere haben zusätzlich verdickte Arme und leiden fast ständig unter Weichteilschmerzen. Manchmal entwickelt sich die Krankheit langsam und kommt irgendwann zum Stillstand. Die einzelnen Lipödem-Stadien können aber auch schnell aufeinanderfolgen. Allen Erkrankten gemeinsam sind abnormal vermehrte und vergrößerte Adipozyten (Fettzellen), die sich sichtbar anlagern.

Warum es zu der Fettzellwucherung kommt, ist ungeklärt. Übermäßige Kalorienzufuhr ist nicht die Ursache. Sie kann den Verlauf jedoch verschlimmern.

Der Leidensdruck ist unterschiedlich. In fortgeschrittenen Stadien wird die Haut erst wellig, dann rau und knotig, bis sie in Wammen regelrecht herabhängt. Infolge des Körperbildes, aber auch wegen chronischer Schmerzzustände sind viele Betroffene psychisch sehr belastet.

Lipödem Stadien | S-thetic

Was genau passiert beim Lipödem?

Zum Ausbruch kommt die Erkrankung häufig in Lebensphasen mit hormonellen Umstellungen. Mutter oder Großmutter weisen nicht selten das gleiche Leiden auf. Das deutet auf einen vererbbaren Anteil hin.

Schon die Entdecker Allen und Hynes stellten größere Wassereinlagerungen im Gewebe fest, die namensgebenden Ödeme. Einer der Auslöser ist der Druck des erweiterten Lipödemfetts. Hinzu kommen poröse Blutkapillaren im Unterhautfettgewebe, die Flüssigkeit verlieren. Die Lymphgefäße schaffen die Entwässerung nicht mehr. Das verstärkt die Schwellung der betroffenen Regionen.

Die Ursache der oftmals quälenden Schmerzen ist nicht zweifelsfrei identifiziert. Manche Mediziner haben den Gewebedruck im Verdacht. Neuere Forschungen zeigen außerdem, dass der Reproduktionszyklus der Adipozyten vielfach schwer gestört ist. Das führt zu chronischen Entzündungen im Fettgewebe. Es bilden sich Nekrosen aus abgestorbenen Fettzellverbänden und Fibrosen aus vernarbten Bindegewebsstrukturen. Womöglich macht das die Nervenenden reizbarer.

Wie all das zusammenspielt, ist bisher kaum verstanden. Die Therapie macht das nicht einfacher. Ein medikamentöser Behandlungsansatz fehlt bisher.

Für die Diagnose braucht es Scharfsinn

Vor Jahren war es noch schwierig, einen Arzt zu finden, der die Symptome richtig zu deuten wusste. Beschwerden wurden fast immer als Begleiterscheinungen krankhaften Übergewichts abgetan, einer Adipositas. Das hat sich mittlerweile geändert. Zunehmende Medienberichterstattung hat die Kunde vom Lipödem bei Medizinern und Patientinnen verbreitet. Doch ein Kinderspiel ist die Diagnose nicht.

  • Es gibt Erkrankungen mit recht ähnlichem Erscheinungsbild wie das Lymphödem, die Lipohypertrophie, Cellulite oder eben Adipositas.
  • Ein Lipödem lässt sich nur durch eine Kombination von Untersuchungsverfahren erkennen.
  • Der Arzt muss die Patientinnen genau anschauen. Diagnosen „durch die Hose“ gibt es allzu häufig, gehen aber gar nicht.
  • Abtasten, Kneif- und Drucktests sind notwendig, um geschilderte Beschwerden einzuordnen. Bildgebende Verfahren dienen nötigenfalls als Ergänzung.

Neuerdings bescheinigen Ärzte sogar häufiger ein Lipödem, wenn gar keins vorliegt. Manchen Frauen kommen solche Fehldeutungen nicht ungelegen. Sie können damit eher ihren Frieden machen als mit der Diagnose Adipositas, die sie als stigmatisierend empfinden.

Eine sinnvolle Therapie ist aber nur nach korrekter Diagnose möglich. Ernst nehmen sollte man ein Lipödem in jedem Fall. Heilbar ist das Syndrom nicht, Folgeerkrankungen wie etwa ein Lymphödem oder Arthrose sind verbreitet. Unzureichend therapierte Patientinnen sind in späteren Jahren oft auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen.

Lipödem Frauen | S-thetic

Ein therapeutischer Ansatz ließ lange auf sich warten

Eine zielführende Behandlung wurde erst im Jahr 1973 durch den deutschen Arzt Johannes Asdonk konzipiert. In seine lymphologische Fachklinik im Schwarzwald kamen häufig Patientinnen mit auffällig verdickten, schmerzenden Beinen. Darum bemüht, ihnen Linderung zu verschaffen, stieß Asdonk auf die Methode der manuellen Lymphdrainage. Sie war von dem dänischen Physiotherapeuten Emil Vodder bereits in den 1930er Jahren entwickelt worden. Asdonks Arzthelferin und spätere Ehefrau Christa machte ihn mit dem Verfahren bekannt.

Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Form der medizinischen Massage. Ursprünglich wurde sie zur Behandlung geschwollener Lymphknoten eingesetzt. Die Lipödempatientinnen müssen dafür regelmäßig einen speziell ausgebildeten Physiotherapeuten aufsuchen. Mit geschulten Handgriffen baut er Ödeme ab oder wirkt ihrer Ausbildung entgegen. Mittlerweile gibt es auch Apparaturen wie den „Lymphomaten“ für die Heimanwendung.

Neue Methoden dringend gesucht

Der Lymphspezialist Asdonk, Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie, riet seinen Patientinnen außerdem, täglich Kompressionsstrümpfe zu tragen. Die Kombination von manueller Lymphdrainage und Kompression nannte er komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Konsequent angewendet, bringt sie bei den meisten Betroffenen eine Besserung. Bis heute ist sie beim Lipödem die konservative Standardbehandlung. Erst um die Jahrtausendwende kam die Liposuktion (Fettabsaugung) als operative Therapiemöglichkeit hinzu.

Der Nutzen der Kompressionskleidung ist nahezu unumstritten. Der konsequente Gegendruck, den die Spezialkleidung in den Lipödemzonen aufbaut, wirkt schmerz- und entzündungshemmend. Er hilft angegriffenen Lymphbahnen, Wassereinlagerungen aufzulösen oder solchen Ödemen vorzubeugen.

Ob die manuelle Lymphdrainage allen Leidenden Nutzen bringt, ist unklar. Viele Lipödempatientinnen weisen nach Meinung von Spezialisten nur eine geringe Ödemneigung auf. Sie benötigen die aufwendigen Behandlungen vielleicht nicht auf Dauer. Es wird erwartet, dass solche Einwände in die Leitlinien einfließen, die die ärztlichen Fachgesellschaften in Deutschland für das Lipödem aufgestellt haben. Sie fassen den letzten Stand des gesicherten medizinischen Wissens zusammen. Die letzte Version stammt von 2015 und wird derzeit überarbeitet.

Lipödem Ernährung | S-thetic

Es kommt auch auf den Lebensstil an

Ebenfalls klar ist, dass Ernährung und Bewegung über den Therapieerfolg mit entscheiden. Regelmäßiger Sport wie Schwimmen oder Walking wirkt stark lindernd. Solche Aktivitäten sollten möglichst unter Kompression ausgeübt werden, um den Effekt zu steigern.

Für die Ernährung gibt es einige wichtige Grundsätze. Entzündungsfördernde Nahrungsmittel sollten alle Erkrankten meiden. Das persönliche Normalgewicht gilt es möglichst zu halten. Übergewicht begünstigt Lipödeme, weil es dem gestörten Fettstoffwechsel Nahrung gibt. Adipösen Lipödempatientinnen empfehlen Ärzte dringend, eine Gewichtsreduktion anzustreben. Die Ernährungskontrolle erfolgt am besten unter professioneller Anleitung.

Viele Frauen kommen von ihrem ausgeprägten Übergewicht aber nur schwer herunter. Dann ist möglicherweise bariatrische Chirurgie ratsam, beispielsweise in Form einer Magenverkleinerung. Den psychischen Druck, dem Patientinnen oft ausgesetzt sind, kann man zusätzlich therapeutisch angehen.

Durch Änderung des Lebensstils lassen sich große Fortschritte erzielen. Doch ein Lipödem wäre kein solches, wenn man es sich einfach abhungern könnte. „Kalorienfett“ lässt sich durch gezielte Anstrengung reduzieren. Das Lipödem an sich ist aber weitgehend diätresistent. Selbst Betroffene, die gar kein oder mäßiges Übergewicht aufweisen, werden es kaum los. Beschwerden bleiben oft ebenso bestehen wie das ungeliebte Körperbild. Hier schlägt die Stunde der Liposuktion.

Die Liposuktion ist für viele ein Rettungsanker

Die Liposuktion (zu Deutsch: Fettabsaugung) ist eine operative Behandlung zur Fettreduktion. Im Bereich der ästhetischen Medizin ist sie seit Jahrzehnten etabliert. Die Grundtechnik bietet sich auch für die Lipödembehandlung an. Die Idee: Verschwindet das Lipödemfett möglichst vollständig, wird den Beschwerden die Grundlage entzogen. Die erste Liposuktion eines Lipödems wurde 1997 durchgeführt. Unzählige Frauen haben seitdem davon profitiert. Auch Schauspielerin Madlen Kaniuth ließ sich im Rahmen einer solchen Liposuktion 10 Liter Fett entfernen. In ihrem Buch „Dicke Beine trotz Diät – mein Leben mit Lipödem“ berichtet sie von ihrem persönlichen Behandlungserfolg.

Für die Liposuktion führt der Chirurg eine dünne Kanüle ins Gewebe. Als Zugänge dienen Einstiche in der Haut. Mit Hilfe einer Vakuumpumpe saugt er die Fettzellen ab. Neuerungen in der Medizintechnologie erlauben es, das Fettgewebe immer besser dafür vorzubereiten.

Den absoluten Gamechanger hat der US-amerikanische Dermatologe Jeffrey Klein in den 1990er Jahren eingeführt, das Tumeszenzverfahren. Hier wird vor der Absaugung eine aufschwemmende, betäubende Flüssigkeit ins Gewebe geleitet. Das bedeutete eine regelrechte Revolution in Sachen Verträglichkeit und Effizienz. Dank dem Verfahren lässt sich die Liposuktion auch ambulant unter Lokalanästhesie durchführen.

Lipödem Behandlung | S-thetic

Die Technologie macht den Unterschied

Seit einigen Jahren gibt es bei der Fettabsaugung auch die Möglichkeit der Laserunterstützung. Bei dieser sogenannten Laserlipolyse wird eine medizinische Laserfaser mit unter die Haut geführt. Der entstehende Wärme-Effekt erleichtert es, die Kanüle durch das Fettgewebe zu manövrieren. Mit einer speziellen Wellenlänge regt der Laser auch die Hautregeneration an und unterstützt den Heilprozess. Eine chirurgische Hautstraffung im Nachgang der OP wird so häufig überflüssig.

Bei der Liposuktion eines Lipödems geht der Arzt grundsätzlich anders vor als bei der ästhetisch motivierten Behandlungsvariante:

  • In den Lipödemregionen muss bis auf eine dünne Restschicht das gesamte Fett beseitigt werden. Dies allein beugt einer neuerlichen Fettzellerweiterung vor. Man lässt also keine Fettanteile stehen, um eine „schönere“ Kontur zu erreichen.
  • Die Liposuktion muss lymphschonend erfolgen. Der Operateur führt die Absaugkanüle so, dass die meist schon angegriffenen Lymphgefäße möglichst unversehrt bleiben.

Einer Faustregel gemäß können in einer einzelnen Sitzung etwa 10 % des Körpergewichts abgesaugt werden. Bei größerem Behandlungsumfang setzt man weitere Sitzungen in einigem zeitlichen Abstand an.

Die Liposuktion verringert die Beschwerden der Patientinnen in den meisten Fällen erheblich. Auf manuelle Lymphdrainage kann langfristig oft verzichtet werden, Kompressionswäsche muss nicht mehr so häufig oder gar nicht mehr getragen werden. Viele Betroffene werden ganz beschwerdefrei.

Jedoch bleibt die Veranlagung für das Lipödem auch nach erfolgreicher Liposuktion bestehen. Möchte man die erreichte Besserung bewahren, sind ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung angeraten.

Die Krankenkassen sind neuerdings zugänglicher

Bei Lipödempatientinnen mit ausgeprägter Adipositas kann nicht abgesaugt werden. Die Fettanlagerungen sind bei ihnen so umfangreich, dass ein verträglicher Eingriff nicht zu gewährleisten wäre. In solchen Fällen raten verantwortliche Operateure zu einer vorherigen Gewichtsreduktion.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzteverbänden, gesetzlichen Krankenkassen und Kliniken hat eine Grenze festgelegt, ab der Kassenpatientinnen eine teilweise Erstattung der Liposuktionskosten erwarten dürfen. Diese liegt bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 35. Unterstützt wird eine Absaugung allerdings nur für Lipödeme im fortgeschrittenen Stadium III.

Die Zustimmung der Kasse ist an weitere Voraussetzungen gebunden. So muss eine konservative Therapie mindestens für ein halbes Jahr versucht worden sein. Auch muss der operierende Arzt normalerweise eine Kassenzulassung besitzen. Mit derzeit 763 Euro ist der Erstattungsbetrag leider so niedrig, dass die meisten liposuktionserfahrenen Ärzte die OP nicht ansatzweise kostendeckend durchführen können. Die Patientin muss dann aus eigenen Mitteln zuzahlen. Die neuen Vorschriften sind aber ein Fortschritt. Früher gab es überhaupt keine festen Kriterien dafür, ob die Kasse einen Eingriff unterstützt.

Privatpatientinnen haben es insgesamt besser. Bei festgestellter medizinischer Notwendigkeit werden die Liposuktionskosten vielfach vollständig von den privaten Krankenversicherungen übernommen.

Lipödem Fettabsaugung | S-thetic

In der plastisch-ästhetischen Chirurgie gibt es viel Expertise

Die Verfahren der Fettabsaugung wurden von der ästhetischen Medizin immer weiter verfeinert. Kein Wunder, dass in diesem Bereich mit die größte Expertise für die Liposuktion von Lipödemen besteht. Bei S-thetic gibt es mehrere chirurgisch tätige Dermatologen, Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Allgemeinchirurgen, die auf Liposuktionen besonders spezialisiert sind. Auch mit der Absaugung von Lipödemen haben sie viel Erfahrung.

Weitere ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserem eigens für Sie eingerichteten Lipödem-Portal.

Wenn Sie eine Liposuktion Ihres Lipödems erwägen, können Sie sich von einem unserer Spezialisten gerne persönlich untersuchen und beraten lassen. Am besten bringen Sie dazu alle Ihre Befunde mit. Eine Terminvereinbarung ist jederzeit telefonisch oder über unser Kontaktformular möglich.

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