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Die elektrische Nadelepilation ist über 150 Jahre alt und immer noch äußerst wirkungsvoll

17. Mai 2024

Die Nadelepilation, auch als Elektroepilation bekannt, ist eine Methode der dauerhaften Haarentfernung, die in letzter Zeit immer beliebter wird. In den Behandlungszentren von S-thetic, wo wir uns seit mittlerweile fast zwei Jahrzehnten der permanenten Haarentfernung widmen, ist das besonders spürbar. Nach abenteuerlichen Anfängen im 19. Jahrhundert hat die Nadeltechnologie eine spannende Entwicklung genommen. Lesen Sie in diesem Beitrag, was die Pioniere antrieb, welche erstaunlichen Innovationen es gegeben hat und worauf Sie heute bei der Anwendung achten müssen.

Dem Erfinder ging es um eingewachsene Lidhärchen

Erfunden hat die elektrische Nadelepilation der US-amerikanische Augenarzt Charles Michel bereits im Jahr 1869.1 Er betrieb eine Praxis in St. Louis, Missouri und war am örtlichen Medical College als Professor für Augenheilkunde tätig. Immer wieder kamen Patientinnen und Patienten mit schmerzhaften Entzündungen der Augenlider zu ihm, die auf eingewachsene Lidhärchen zurückgingen. Auf der Suche nach einer nachhaltigen Behandlungsmethode wurde der Professor zum Pionier der elektrischen Haarentfernung.2

Michel machte sich Entdeckungen der Elektrochemie zunutze, die Jahrzehnte zuvor die Naturwissenschaft revolutioniert hatten. 1770 brachte der italienische Arzt Luigi Galvani erstmals Froschschenkel durch Gleichstrom zum Zucken. Die Briten Nicholson und Carlisle leiteten im Jahr 1800 solchen Strom durch einen gläsernen Behälter mit Wasser und zerlegten es so in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff. In den 1830er Jahren prägte Michael Faraday dafür den Begriff Elektrolyse.3 Eine ähnliche Methode setzte auch der Augenarzt Michel für seine Elektroepilation ein. Sie heißt nach den dabei angewendeten Prinzipien galvanische Elektrolyse.

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Natronlauge gegen Haare

Und so funktioniert die Elektroepilation: Jede Haarwurzel ist eingebettet in den Haarfollikel, den Haarschaft. In der Papille, an dessen unterem Ende, münden feinste Blutgefäße. Sie versorgen die Haarwurzel mit Nährstoffen. An die Papille schließt die Haarmatrix an. Aus ihr entspringen die Hornzellen, spezielle Keratine, aus denen jedes Haar aufgebaut ist. Nur wenn es hier ständig Nachschub gibt, kann das Haar wachsen.

  • Bei der elektrischen Nadelepilation wird eine feine Nadel, heutzutage circa 0,1 Millimeter dünn, parallel zum Haar in den Haarfollikel hineingeschoben. Diese Nadel nennt man Sonde.
  • Die Sonde wird unter Gleichstrom mit einer Stärke von bis zu 3 Milliampere gesetzt. Der Stromfluss stößt den elektrochemischen Vorgang der Elektrolyse an. Er wirkt auf das Kochsalz (Natriumchlorid) ein, das in den flüssigen Anteilen des Follikels gelöst ist.
  • Das Salz wird durch Elektrolyse in Wasserstoff, Chlor und Natriumhydroxid (Natronlauge) aufgespalten.
  • Die ätzende Natronlauge zerstört die Matrixzellen, die „Generatoren“ des Haarwachstums.

Matrixzellen können sich nicht regenerieren. Deshalb ist eine erfolgreiche Haarentfernung per Elektrolyse irreversibel. Nach korrekter Durchführung lässt sich das Haar mit einer Pinzette ohne Widerstand herausziehen.4

Als einzige Methode von der FDA empfohlen

Die Nadelepilation hat seit den Anfängen zahlreiche Verfeinerungen erlebt. Was unverändert blieb, ist der Einsatz von wohldosiertem elektrischem Strom. In Sachen Zuverlässigkeit ist das Verfahren unübertroffen: Im Gegensatz zu Waxing, Sugaring oder mechanischem Epilieren ist diese Art der Haarentfernung tatsächlich permanent. Der elektrischen Nadelepilation, in Übersee als „Electrology“ bezeichnet, bescheinigt die strenge US-Gesundheitsbehörde FDA als einziger Haarentfernungs-Methode, wirklich dauerhaft zu sein.5

Neuere Technologien der dauerhaften Haarentfernung basieren auf energiereichem Licht, zum Beispiel Laser-Licht. Solche Verfahren sind in Deutschland am weitesten verbreitet. Wenn man es richtig macht, haben sie ebenfalls einen dauerhaften Effekt. Ihre Wirksamkeit hängt aber stark von der Art des Geräts ab:

  • Moderne, hochentwickelte Haarentfernungs-Laser können den Haarwuchs ebenfalls dauerhaft beseitigen, so dass selbst nach Jahren nichts mehr nachkommt.
  • Für ältere Gerätetypen gilt das nicht immer. Und erst recht nicht für das Blitzlicht bei IPL (Intensiv-Pulslicht), eine weniger energiereiche Lichttechnologie. Sie darf auch von Kosmetikerinnen ohne medizinische Ausbildung eingesetzt werden.

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Die Nadel wirkt auch bei helleren Haaren

Gegenüber der Nadelepilation haben gute Laser einen Vorteil: Mit ihnen lässt sich schneller arbeiten. Bei der Elektro-Methode muss die Behandlerin oder der Behandler die Sonde in jeden Haarkanal einzeln einführen. Das dauert mit einem modernen Gerät jedes Mal nur Sekunden. Sind hunderte oder tausende von Haaren zu behandeln, braucht es aber seine Zeit. Beim Laserverfahren bestreicht das Licht, das der Behandlungskopf aussendet, sekündlich zahlreiche Haare auf einmal. So lassen sich größere Areale wie Rücken und Beine zeitsparend enthaaren.

Es gibt jedoch gute Gründe, warum Patientinnen und Patienten statt des Lasers die Nadel wählen. Der wichtigste:

  • Lasern funktioniert nicht bei Haaren, die sehr wenige Farbpigmente aufweisen.
  • Das ist bei hellblonden und roten Haaren der Fall, aber auch bei weißen Gesichts- oder Körperhaaren älterer Patientinnen und Patienten.
  • Auch ein grauer Bart oder entsprechend bewachsene Achseln rufen nach der Nadel. Der Grauton entsteht im Auge des Betrachters, wenn sich weiße Haare unter dunklere mischen (graue Einzelhaare gibt es eigentlich nicht).6

Warum scheitert der Laser an helleren Haaren? Die Haarpigmente, bestehend aus Melanin, fungieren bei dieser Art der Haarentfernung als Überträger der Lichtenergie. Sie nehmen das Laserlicht auf und wandeln es in Wärme um. Temperaturen von um die 70 Grad bringen Follikel und Haarwurzel zum „Verdampfen“. Haare mit zu wenig Pigmenten können das Licht nicht absorbieren, die Laser-Haarentfernung funktioniert nicht. Für IPL, das schwächere Intensiv-Pulslicht, gilt das Gleiche.

Mit einer Elektroepilation allerdings lassen sich Haare jedweder Farbe entfernen. Für den elektrischen Strom, der hier fließt, spielt die Art der Pigmente keine Rolle.

Besonders im Gesicht beliebt 

Parade-Regionen für die Nadelepilation sind traditionell kleinere Flächen wie das Gesicht. Wenn zum Beispiel der „Damenbart“ eliminiert wurde, kann das für das Körpergefühl ein regelrechter Booster sein. Auch trans* Frauen, die ihren Bartwuchs loswerden wollen, lassen sich gerne behandeln. Eine spezielle Anwendung ist seit jeher die Verschönerung allzu sehr wuchernder Augenbrauen. Sie bekommen mit der Nadel eine schönere, schmale Kontur. Hier ist die Elektroepilation sogar fast die einzige anwendbare Methode. Aus Sicherheitsgründen darf der Laser in Augennähe nicht eingesetzt werden.

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Für größere Flächen brauchte es Innovationen

Wer sich für eine moderne Elektroepilation entscheidet, schließt mit Hightech Bekanntschaft. Bis dahin war es ein langer Weg. Der Erfinder Charles Michel nutzte in den 1870er Jahren noch ein batteriebetriebenes Epilationsgerät, mit dem die Entfernung eines einzigen Haares mehrere Minuten dauerte. Für einzelne eingewachsene Wimpern noch annehmbar, für die flächige Anwendung kaum geeignet. Trotzdem zeigten sich Dermatologen in den USA seinerzeit dankbar. Sie nutzten die galvanische Elektrolyse für Zwecke wie die Behandlung von übermäßigem, krankhaftem Haarwuchs.

1916 gelang dem New Yorker Tüftler Paul Kree eine wichtige Verbesserung. Er konstruierte ein Epilationsgerät, das es erlaubte, mit mehreren Nadeln gleichzeitig zu arbeiten. Krees Unternehmen belieferte den amerikanischen Markt über Jahrzehnte mit ständig verbessertem Nadelepilations-Equipment.7

Die Macht des Wechselstroms 

1924 entwickelte Dr. Henri Bordier in Lyon (Frankreich) eine ganz neue Methode der Nadelepilation, die Thermolyse. Vorarbeiten dazu werden einem deutschen Arzt namens Dr. Eitner zugeschrieben. Bei der Thermolyse wird ebenfalls elektrischer Strom von einer eingebrachten Nadel auf den Haarfollikel übertragen. Es handelt sich allerdings nicht um Gleichstrom wie bei der Elektrolyse, sondern um hochfrequenten Wechselstrom.

Dieser breitet sich von der Nadelspitze her etwa einen Millimeter tief aus. Der Hochfrequenz-Schub versetzt die Wassermoleküle in der Follikelflüssigkeit in Bewegung. Die dabei entstehende Reibung löst einen kurzzeitigen Temperaturanstieg auf bis zu 50 Grad Celsius aus. Der Haarfollikel wird dadurch irreversibel zerstört. Anfangs konnte die Methode noch Verbrennungen mit sich bringen. Heutige Thermolyse-Geräte, die eine Leistung von bis zu 8 Watt nutzen, lassen sich so fein einstellen, dass es normalerweise zu keiner Hautschädigung kommt.

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Das Blend-Verfahren brachte den Durchbruch

Ganz moderne Elektroepilations-Geräte kombinieren die chemische und die Hochfrequenz-Methode. Man nennt das in der Branche das Blend-Verfahren (nach englisch „to blend“ = mischen). Arthur Hinkel und Henri St. Pierre ersannen es in den 1940er Jahren und konnten es 1948 zum Patent anmelden.8

Bis dahin hatten die Behandlerinnen und Behandler jedem einzelnen Haar relativ viel Zeit widmen müssen. Die Blend-Methode verkürzte das auf die heute übliche Spanne von wenigen Sekunden:

  • Die flüssigen Anteile im Haarfollikel werden durch Wechselstrom-Impulse kurzzeitig vorerhitzt.
  • Kurz darauf erfolgt wie gehabt die Einleitung von Gleichstrom.
  • Die elektrochemische Reaktion der Elektrolyse, die den Haarfollikel lahmlegt, kommt so schneller in Gang.

Das Blend-Verfahren beschleunigt die Behandlung nicht nur, es macht sie auch schonender und effektiver.

Auf jeden Haartyp einstellbar

Hochentwickelte Nadelepilations-Apparaturen wie das Sinus-Blend von Cosmomed, das wir bei S-thetic einsetzen, arbeiten entweder im Thermolyse- oder im Blend-Modus. Mit dem Gerät „made in Germany“ können wir die Behandlung ganz individuell einstellen. Dank modulierten Strömen, die durch die sogenannte Sinus-Technik erzeugt werden, lässt sich laut Hersteller eine bessere Schmerzreduzierung erreichen. Das hilft, auf die persönliche Empfindlichkeit der Patientin oder des Patienten einzugehen. Dem Typ der zu entfernenden Haare tragen wir durch optionale Zuwahl der Elektrolyse Rechnung.

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Digitaler Technologieschub

Transistoren machten die Nadelepilations-Geräte bereits in den 1970er Jahren zuverlässiger. Ab den 1980ern kam Computersteuerung hinzu.9 Digitale Aufrüstung ist heutzutage die Norm. Man arbeitet zudem mit sterilisierten Einwegnadeln, um hygienischen Anforderungen nachzukommen.

Ein Selbstläufer ist die elektrische Nadelepilation weiterhin nicht. In der Regel dauert es mindestens ein Jahr, bis die traktierte Hautregion nicht mehr von Haaren behelligt wird. Mit einem einzigen Behandlungstermin ist es auf keinen Fall getan:

  • Mit der Nadel kann man nur Haare behandeln, die sichtbar aus der Haut herausschauen.
  • Deshalb braucht es auf jeden Fall mehrere Termine. Denn nur ein kleinerer Teil der Haare ist gleichzeitig am Sprießen. Am Körper sind das um die 30 Prozent, im Gesicht deutlich mehr.
  • Um die Haare zu „erwischen“, die gerade nicht wachsen, muss man warten, bis ihre Follikel wieder Nachschub produzieren.

Auch der Laser kann übrigens nur Haare in der Wachstumsphase neutralisieren. Ganz gleich, welches Verfahren Verwendung findet: Patientinnen und Patienten sollten von ihrem Haarentfernungs-Team einen realistischen Zeitplan aufgestellt bekommen.

Geschickte Hände sind ein Muss 

Für den Umgang mit der Epilationsnadel braucht es einige Fingerfertigkeit. So ist das richtige Einführen der Sonde eine Kunst. Die Behandlerin oder der Behandler muss rund um das Zielhaar mit den Fingerspitzen eine gute Hautspannung herstellen. Nur so lässt sich die Nadel ohne Widerstand streng parallel zum Follikel einführen. Das vermeidet unnötige Verletzungen, die Vernarbungen mit sich bringen könnten. Und es gewährleistet eine ideale Übertragung des Stroms. Den Impuls löst die Behandlerin oder der Behandler meist mit einem Fußpedal aus. Die Impulsgabe erfolgt entsprechend den Voreinstellungen automatisiert. Für all das braucht man eine erstklassige Ausbildung und viel Erfahrung.

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Profunde Kenntnisse wie in den USA

Während in Deutschland der „Achselbusch“ bis in die 1980er Jahre bei Frauen normal war, legt man in den USA seit langem viel Wert auf die Entfernung von Körperhaaren.10 Methoden der dauerhaften Haarentfernung wurden jenseits des Atlantiks konsequent weiterentwickelt. So gibt es mit der Elektrologin/dem Elektrologen dort ein eigenes Berufsfeld für die Nadelepilation mit regulierter Ausbildung und Zertifizierung.11 In Deutschland ist das leider nicht der Fall. Qualitativ hochwertige Ausbildungsreihen werden bei uns teils von Geräteherstellern, teils von langjährig erfahrenen Praktikerinnen angeboten. Wer Pech hat, kann zum Beispiel in Kosmetikstudios Mitarbeiterinnen in die Hände fallen, die über keine hinreichende Qualifikation verfügen. Empfehlenswert ist, sich vor Beginn einer Nadelepilation nach dem bestehenden Wissensstand zu erkundigen.

Das Team von S-thetic berät Sie gern

Sie können sich vorstellen, eine Nadelepilation in Anspruch zu nehmen? Behandlungszentren von S-thetic bieten die Behandlung in mehreren Regionen Deutschlands an. Gern empfängt und berät unser medizinisch ausgebildetes Fachpersonal Sie vor Ort oder versorgt Sie mit weiteren Information.

 

Quellen:

1 https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Michel_(ophthalmologist)#Career

2 https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Michel_(ophthalmologist)#Achievements

3 https://www.chemie.de/lexikon/Elektrolyse.html#Zur_Geschichte

4 https://dermnetnz.org/topics/electrolysis

5 https://my.clevelandclinic.org/health/treatments/8306-electrolysis

6 https://de.wikipedia.org/wiki/Haarfarbe#Ergrauen_des_menschlichen_Haares

7 https://collection.powerhouse.com.au/object/412000

8 http://www.electrolysisbyjacque.com/Understanding.html

9 https://zapahair.com/newz/history-of-electrolysis/

10 https://de.wikipedia.org/wiki/Achselhaar#%C3%84sthetik

11 http://professionals.electrology.com/be-an-electrologist/cpe-credential-for-electrologists.html

 

Bildnachweis historisches Nadelepilations-Gerät:

Powerhouse Museum collection. Gift of the estate of Helen Battat, 2010. Photograph Sotha Bourn.